Petra und die Tiere

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Vorlesezeit ~ 5 Minuten

von Tobias Müller

Petra liebte alle Tiere. Wenn sie groß war wollte sie mal Schäferin oder Zoowärterin werden. Doch es gab ein Problem: Petra war allergisch auf Tierhaare. Jedes Mal wenn sie auch nur in die Nähe eines Tiers mit Fell kam, wurden ihre Augen ganz rot und sie musste ständig niesen.

Trotzdem hatte sie Haustiere. Sie hatte jedoch keinen Hund und keine Katze wie andere Kinder, denn sonst hätte sie ständig niesen müssen. Auch Kaninchen oder Hamster oder Rennmäuse waren keine geeigneten Haustiere für sie. Denn auch die hatten ein Fell.

Petras Haustiere waren Fische. Sie hatten orangene Fische und schwarze Fische und gelbe Fische. Sie hatte sogar ein Axolotl. Das war ein rosa Tierchen, das ein bisschen aussah wie ein winziger Drache und das auch im Wasser lebte. Der Axolotl war ihr absolutes Lieblingstier und Petra verbrachte viele Stunden damit ihr Aquarium zu pflegen, ihre Fische und ihr Axolotl zu füttern oder ihnen einfach dabei zuzusehen wie sie hin und her schwommen zwischen den Wasserpflanzen, den Steinen und einer Plastik-Schatztruhe, die sie als Deko in das Aquarium gestellt hatte. Doch so schön sie auch waren, ihre Fische, und so spannend Petra sie fand, Fische erfüllten ein wichtiges Haustierkriterium nicht: Man konnte nicht mit ihnen kuscheln. Ja man konnte sie noch nichtmal richtig anfassen.

petra
Petras Fische – Illustration: Veronika Grenzebach

Also ging sie eines Tages zu ihrer Mama und sagte, dass sie ein Haustier wollte, mit dem sie auch kuscheln konnte. Ihre Mama machte das traurig, denn sie wusste, denn sie hatte ihr schon so oft sagen müssen, dass sie wegen ihrer Allergie keine Haustiere haben konnte. Und auch diesmal würde sie wieder ihrer Tochter wieder ‚Nein‘ sagen müssen. Da kam ihr eine Idee. Gleich am nächsten Tag fuhr sie in den Spielwarenladen und kaufte die 10 flauschigsten Kuscheltiere, die es gab. Die legte sie alle auf Petras Bett.

Als Petra am Abend von einer Freundin nach Hause kam und in ihr Zimmer ging freute sie sich sehr.  Ihre Mama sagte zu ihr:

Mit denen kannst Du so viel kuscheln wie Du möchtest, aber Du wirst kein einziges Mal niesen müssen. Weil obwohl sie ganz flauschig sind haben sie kein Tierfell.

Petra sprang in ihr Bett und umarmte so viele von den Kuscheltieren, wie sie konnte.

Eine Zeit kuschelte Petra gerne mit ihren Kuscheltieren und ihr allerliebstes, ein kleiner Löwe, war sogar regelmäßig Gast in ihrem Schulrucksack. Doch bald wurde Petra klar, dass Kuscheltiere keine Haustiere sein konnte. Denn wenn man Katzen streichelte, dann schnurrten sie, wenn man mit Hunden spielte, dann wedelten die mit ihrem Schwanz und wenn Kaninchen sich besonders wohl fühlten, dann legten sie sich einfach auf die Seite ließen sich streicheln. Aber wenn man Kuscheltiere streichelte, dann passierte gar nichts.

Petra wusste inzwischen, dass sie ihre Mama nicht mehr fragen konnte, ob sie ein Haustier haben durfte. Sie würde nur wieder nein sagen, wegen ihrer dummen Allergie. Aber ihre Mama sah, dass Petra noch immer echte Tiere fehlten, ganz ohne dass Petra etwas sagen musste. Sie überlegte jeden Tag, wie sie ihrer Tochter diesen Wunsch erfüllen konnte. Eines Abends, an dem Petra bei einer Freundin schlief, fuhr ihre Mama dann schließlich zu einem Ort, von dem sie Petra nichts erzählt hatte um dort eine Überraschung abzuholen.

Am nächsten Tag kam Petra wieder nach Hause. Sie wollte gerade in ihr Zimmer gehen, als ein komisches Geräusch aus dem Wohnzimmer kam. Es klang fast wie eine Art Bellen. Sie drehte sich zu ihrer Mama um. Die sah sie mit großen Augen an und tat so, als wüsste sie von nichts. Was könnte das denn sein?, sagte sie mit gespielter Überraschung. Da müssen wir wohl mal im Wohnzimmer nachsehen!

Petra öffnete langsam die Wohnzimmertür. Als sie auch nur einen winzigen Spalt weit geöffnet war, zwängte sich etwas kleines Schwarzes durch die Tür, machte seltsame Geräusche, die irgendwo zwischen Bellen und Fiepen lagen, und stupste Petras Fuß mit der Schnauze an. Das kleine schwarze Wesen war so verspielt und niedlich! Petra betrachtete es genauer: es war ein kleiner Welpe mit schwarzem Fell. Petra ging in die Knie und streichelte den jungen Hund, der aber nur kurz ruhig blieb und danach voller Energie mit Petras Hand spielte, als wäre sie das spannendste Spielzeug der Welt. Petra war glücklich. So glücklich, dass sich überhaupt nicht fragte, warum da ein Welpe in der Wohnung war. Es dauerte ein paar Minuten, bis Petra auffiel, dass etwas nicht stimmte. Mit großen Augen schaute sie ihre Mama an und sagte erstaunt:

Mama, ich musste ja noch gar nicht niesen.

Ihre Mama lachte.

Ich habe mit einem Experten geredet und im Internet recherchiert, sagte sie. Diese Art von Hunden verliert so wenige Haare, dass sie keine Allergien auslöst. Es sind nämlich nicht die Haare an den Tieren wegen denen Du niesen musst. Es sind die losen Haare, die in der Luft herumfliegen und sich dann in deiner Nase verfangen.

Petra sah ihre Mama an und langsam fing sie an zu begreifen.

Heißt das…?

Ihr Mama nickte.

Das ist Dein Hund. Er heißt Bo!

Petra sprang so plötzlich auf, dass sogar der abenteuerlustige Welpe erschrak, stürmte auf ihre Mama zu und drückte sie so fest sie konnte.

Du weißt, dass Du mit ihm Gassi gehen musst? Fragte ihre Mama.

Petra nickte.

Du weißt, dass Du für ihn verantwortlich bist und ihn füttern musst?

Petra nickte erneut. Sie war glücklich. Sie lächelte so breit, dass es schon fast weh tat. Sie umarmte ihre Mama weiterhin. Schließlich sagte sie leise ein Wort:

Danke.

Dann ließ sie ihre Mama los und spielte weiter mit dem Welpen.


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