Maximilian der Träumer

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~ Fünf Minuten Vorlesezeit

von Tobias Müller

Maximilian flog durch die Milchstraße und genoss den atemberaubenden Anblick vor sich. Viele bunte Farben und Lichter leuchteten vor dem schwarzen Hintergrund des Universums. Er umkreiste Planeten, die ganz aus Gas bestanden und die leuchteten wie diese Quallen, die Maximilian in Dokumentarfilmen und im Zoo gesehen hatte. Ab und zu tauchte er hinein in die Oberfläche der leuchtenden Gasriesen und wenn er wieder herauskam zog er einen Schweif an buntem und strahlendem Gas hinter sich her, das im dunklen All glitzerte.

Aber er sah nicht nur Gasriesen. Er flog auch um Planeten, die so klein waren, dass es letztlich nur fliegende Steine im All waren. Und die hatten teilweise die seltsamsten Formen. Manche waren rund und andere so flach wie eine Frisbee und wieder andere sahen aus wie diese hohen Hüte, die Leute auf alten Fotos immer trugen. Einer dieser fliegenden Felsbrocken hatte eine raue Oberfläche und er war relativ rund. Das spannende hier war jedoch nicht die Form. Als er genauer hinsah, sah er nämlich einen blonden Jungen auf dem Planeten – und eine Rose.

Doch bevor er zu dem Jungen fliegen konnte um ihm Hallo zu sagen, hörte er plötzlich eine Stimme. Es war sein Papa, der ihn ansprach.

Maximilian.

Die Stimme seines Papas klang wütend und doch so fern, wie aus einer anderen Welt. Maximilian schloss leicht genervt die Augen und die Planeten verschwanden hinter seinen Liedern. Als er die Augen wieder öffnete, war er zuhause in seiner Küche und sein Papa stand vor ihm. Maximilian war ein Tagträumer.

Maximilian, sagte sein Papa. Was machst du denn immer? Warum reagierst du nicht, wenn ich Deinen Namen sage? Als Maximilian ihn traurig anschaute, weil er es nicht mochte, wenn sein Papa ihm so ernste Fragen stellte, sagte der noch zur Beschwichtigung hinterher: Ich mache mir doch Sorgen um Dich.

Maximilian wollte nicht, dass sein Papa sich Sorgen machte. Aber er wollte ihm auch nicht erzählen, wohin er sich immer verabschiedete, wenn er so abwesend wirkte. Zum einen war Maximilian nämlich sehr schüchtern und erzählte allgemein nicht besonders viel von sich. Zum Anderen würde sein Papa ihm nur sagen, dass seine Fantasien nicht echt waren oder sowas und würde versuchen sie ihm auszureden. Da war er sich sicher. Und das seine Fantasien nicht echt waren wusste Maximilian selbst, aber er wollte es nicht hören. Er war schließlich glücklich dort, das musste niemand kaputt machen. Er hatte Angst, dass sein Papa ihn nicht verstand, dass er ihm das irgendwie wegnehmen würde.

Maximilians Papa sah ihn kritisch an, als er ihm nicht antwortete. Doch als er weiter schwieg, zog sich sein Papa einen Stuhl, der unter den Küchentisch geschoben war, heran und setzte sich ihm gegenüber. Zu Maximilians Überraschung fing er an zu lächeln.

Weißt du, Maximilian, sagte er. Tatsächlich ist es schwer vorzustellen, aber ich war auch mal jung.
Maximilian rollte mit den Augen. Er hatte diesen Satz schon so oft gehört. Sein Papa fuhr fort:

Und was vielleicht noch schwerer vorstellbar ist: du hast einiges von mir geerbt. Nicht nur deine Nase, auch wenn Dir das immer jeder Verwandte erzählt. Auch spannendere Dinge. Zum Beispiel Teile deines Charakters. Und weißt du, was ich in Deinem Alter am liebsten gemacht habe?

Er machte eine Pause und wartete so lange schweigend, bis Maximilian reagierte. Nach ein paar Sekunden schüttelte Maximilian seinen Kopf.

maximilian
Maximilian im Weltraum – Illustration: Veronika Grenzebach

Ich bin durch den Weltraum geflogen.

Maximilians Augen wurden groß vor Überraschung. Damit hatte er nicht gerechnet.

Aber nicht nur das. Ich habe alle möglichen Fantasien durchlebt. Ich habe auch als Privatdetektiv die kniffligsten Fälle gelöst oder im Mittelalter gegen Drachen gekämpft. Ich war ein Tagträumer Maximilian. Und ich denke du weißt genau, wovon ich rede.

Maximilians Mund stand nun leicht offen. Auch er hatte alle diese Dinge gemacht. Seine Fantasie war sehr vielfältig. Er bemühte sich, seinen Mund trotz der Überraschung wieder zu schließen, weil er sich sicher war, dämlich auszusehen. Dann sagte er:

Und dann? Was ist daraus geworden? Heute bist du kein Tagträumer mehr, oder?

Sein Papa antwortete: Nun, mein Vater hat sich große Mühe gegeben mich daran zu erinnern, dass all das nicht real ist. Das die echte Welt nicht in meinem Kopf stattfindet. Jedesmal, wenn er mich beim Tagträumer erwischt hat ist er wütend geworden und hat mir wieder gesagt, dass ich mir alles nur zusammenspinne. So lange, bis ich ihm geglaubt habe.

Er blickte Maximilian in die Augen.

Aber ich will dir etwas anderes sagen, als mein Papa mir gesagt hat. Er beugte sich nach vorne um sein Gesicht näher an Maximilians Gesicht zu bringen. Auch wenn sonst niemand sehen kann, was in deinem Kopf vorgeht, macht es das nicht weniger echt. Ich wünschte, ich hätte das früher verstanden. Lass dir das von niemandem ausreden! Das ist wichtig. Und ich möchte das du das verstehst.

Wieder sagte sein Papa nichts mehr und wartete darauf, dass Maximilian reagierte. Diesmal musste er nicht lange warten. Maximilian nickte fast sofort. Und er lächelte. Daraufhin nickte sein Papa zufrieden, stand auf und schob seinen Stuhl wieder unter den Küchentisch. Bevor er jedoch die Küche verlassen konnte, sagte Maximilian:

Du kannst auch mitkommen.

Sein Papa blieb verdutzt stehen.

Ich kann auch versuchen dich mitzunehmen. In meine Fantasien, meine ich, versuchte Maximilian weiter zu erklären. Dann sag ich dir einfach wo ich bin und du kommst mit.

Jetzt lächelte sein Papa und es war ein schönes Lächeln. Zwar lächelte er Maximilian an, aber seine Augen schienen auch etwas anderes zu sehen. Sein Gesichtsausdruck erinnerte Maximilian an einen Verwandten, der gerne von längst vergangenen Reisen erzählte.

Weist Du Maximilian, sagte er schließlich. Ich glaube das könnte funktionieren. Und das würde mich sehr freuen.


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