Hanna von Löwenstein – Teil II von IV

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~ Fünf Minuten Vorlesezeit

von Tobias Müller

 

Wie viele andere Schlösser auch stand das Schloss von Hanna von Löwenstein auf einem Hügel. Um diesen Hügel herum waren viele kleinere Hügel, auf denen allesamt saftiges, grünes Gras wuchs. Kleine Straßen und Wege zogen sich durch die grüne Landschaft und verbanden die Häuser, die meistens auf den Gipfeln der Hügel standen. Von ihrem Fenster aus hatte Hanna oft verträumt die Hügel betrachtet, die bis an den Horizont reichten.

In einem dieser Häuser wohnte Hannas Freundin Margarete. Das Haus von Margarete hatte Hanna von ihrem Zimmerfenster aus immer gut erkennen können, denn es hatte ein strahlend blaues Dach. Nun war sie sehr gespannt, wie es von innen aussah. Es war das erste Haus außerhalb des Schlosses, das Hanna von innen sehen würde. Sie würde sogar bei Margarete übernachten. Hanna war deswegen sehr aufgeregt, denn natürlich hatte sie auch noch nie bei jemand anderem geschlafen.

Doch bis dahin musste sie das Haus erst einmal finden. Auf dem Boden herum zu laufen machte die Umgebung viel unübersichtlicher, als sie von oben von ihrem Fenster aus wirkte, und sie musste immer mal wieder auf einen der Hügel steigen, um nach dem blauen Dach Ausschau zu halten. Als Hanna das Haus schließlich gefunden hatte, war sie zunächst sehr verwirrt. Es gab nämlich kein prächtiges, schmiedeeisernes Eingangstor, wie vor ihren Schlossgründen, sondern nur ein kleines Gartentürchen – und das war verschlossen. Hanna wusste nicht, was sie tun sollte. Bei ihnen zuhause meldeten sich Gäste immer beim Pförtner und der brachte sie dann zum Schloss. Aber Hanna sah nirgendwo ein Pförtnerhäuschen und konnte sich auch nicht vorstellen, dass dieses kleine Tor, das ihr gerade einmal bis zur Taille ging, einen Pförtner hatte.

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Hanna blickt auf das blaue Haus von Margarete – Illustration: Veronika Grenzebach

Also blieb Hanna vor der verschlossenen Tür stehen und schaute auf das Haus. Sie sah die blauen Dachkacheln und freute sich, dass auch das restliche Haus in demselben, schönen Blau gehalten war. Sie wusste also, dass sie hier richtig war – aber nichts geschah. Sie schaute sich um, denn irgendwie mussten sich Gäste hier doch bemerkbar machen können. Gerade als sie überlegte, einfach Margaretes Namen zu schreien und zu hoffen, dass diese sie hörte, sah sie neben dem kleinen Tor einen Zettel, der von Plastik verdeckt wurde. Auf dem Zettel stand der Nachname von Margarete und neben dem Zettel war ein Knopf. Weil sie nicht wusste, was sie sonst machen sollte, drückte sie den Knopf. Eine Art Glocke ertönte im Haus. Gerade als Hanna sich wunderte, was für ein seltsames Musikinstrument dieser Knopf wohl bediente, öffnete sich die Haustür. Margarete schaute heraus, lächelte die perplexe Hanna an und öffnete die Gartentür.

Nachdem Margarete Hanna erklärt hatte, dass sie so eben zum ersten Mal eine Türklingel bedient hatte, zeigte sie Hanna ihr Haus und stellte sie ihren Eltern vor. Margaretes Eltern waren sehr nette Leute und Hanna gefiel auch das Haus. Das Blau der Dachziegel war die Lieblingsfarbe von Hannas Eltern und fand sich überall im Haus wieder. Es gab blaue Schränke, blaue Vasen und sogar blaue Teller und Schüsseln. Es war ein sehr schönes Blau und Hanna fand, dass jeder Gegenstand in dieser Farbe gleich viel schöner wirkte.

Doch nachdem Margarete sie ein wenig durch das Haus geführt, und ihr all die blauen Dinge gezeigt hatte, kam Hanna sich komisch vor. Um ihr Schloss zu erkunden hatte sie Jahre gebraucht und sie war sich sicher, noch immer nicht alle Ecken zu kennen. Die Führung durch Margaretes Haus hatte trotz vieler Geschichten, die Margarete und ihre Eltern zu den Zimmern und den Gegenständen darin erzählten, nur ein paar Minuten gedauert. In Hanna stieg eine Frage auf, die sie nicht losließ. Sie traute sich aber nicht zu fragen. Am Abend spielte sie spielte mit Margarete und ihren Eltern Brettspiele, bis sie und Margarete irgendwann ins Bett gingen. Als sie allein in Margaretes Zimmer lagen, konnte sie sich nicht mehr zurückhalten und sie stellte ihre Frage:

Margarete, seid ihr arm? fragte Hanna. Euer Haus ist so klein.

Margarete musste lachen.

Nein. Wir sind nicht arm. Wir haben ein Haus, in dem nur ich und meine Eltern wohnen und es ist ein sehr schönes Haus. Es gibt Häuser, da wohnen viel mehr Menschen als wir, und die haben viel weniger Platz! Dein Schloss ist einfach nur sehr groß. Jonas zum Beispiel hat viel weniger Platz als wir.

Bald darauf schlief Margarete, doch Hanna blieb wach. Wie lebten Leute nur in etwas, das noch kleiner war als dieses Haus? Morgen, überlegte sie, würde sie ihren gemeinsamen Freund Jonas besuchen.

 

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